Laienausbildung im Rahmen der Experimentierklausel:
Wird Kostensenkung zum Sicherheitsrisiko?
Neben dem Diskussionsbedarf über die Inhalte der Reformvorschläge kommt für die Branche noch ein bitterer Beigeschmack hinzu. Die Art und Weise, wie der Minister seit seinem Amtsantritt mit den Branchenvertretern umgeht, ist äußerst fragwürdig. Dies begann bereits mit der Stakeholder-Versammlung am 21. Juli 2025, zu der einige wichtige Interessensvertreter nicht eingeladen wurden.
Ein weiteres Beispiel ist die unsensible Verkündung der Eckpunkte am 16. Oktober 2025, bei der die Verbände lediglich zwei Stunden vor der Pressekonferenz mit den Details konfrontiert wurden. Noch viel schlimmer ist jedoch, dass durch die Art der Kommunikation in der Öffentlichkeit die Hoffnung geweckt wurde, der Führerschein werde schlagartig günstiger.
Den weitaus größeren Beigeschmack haben jedoch die Hintergründe der Pressekonferenz vom 11. Februar 2026. Ursprünglich wurde auf der Verkehrsministerkon-ferenz im Oktober 2025 vereinbart, dass zunächst eine Ad-hoc-Bund-Länder-Arbeitsgruppe die Vorschläge des Ministers überprüfen sollte. Die Ergebnisse und insbesondere die Empfehlungen der Arbeitsgruppe wurden erst zur nächsten Verkehrsministerkonferenz Ende März 2026 erwartet. In der Fahrlehrer-Branche wurde davon ausgegangen, dass diese Empfehlung unter Einbeziehung aller Länderverkehrsminister bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz diskutiert und abgestimmt wird. Darüber hinaus wurde erwartet, dass die Stellungnahmen der Verbände und die Empfehlung des Verkehrsgerichtstages berücksichtigt werden. Was nicht geschah.
Am 11. Februar 2026 trat der Minister auf ntv kurzfristig vor die Presse und veröffentliche die Ergebnisse der Ad-hoc-Bund-Länder-Arbeitsgruppe.
Zunächst wiederholte Schnieder sein politisches Ziel, den Führerschein billiger und weniger bürokratisch zu machen. Zu diesem Zweck sollen bewährte Standards der Ausbildung abgebaut werden. So soll der verpflichtende Theorieunterricht in Präsenzform abgeschafft und die Anzahl der Sonderfahrten auf Autobahnen, Landstraßen und nachts reduziert werden. Gleichzeitig soll zunächst eine „Laienausbildung“ nach österreichischem Vorbild als Versuchsprojekt ermöglicht werden. Dabei sollen Fahranfänger nach nur sechs Fahrstunden unter Anleitung von Eltern oder Bekannten selbstständig im öffentlichen Straßenverkehr Auto fahren. Darüber hinaus sollen die Anforderungen an den Prüferberuf herabgesetzt werden.
Erfahre mehr zu den Ankündigungen vom 11.02.2026
Die Verbände waren allerdings vorbereitet. Am 9. Februar 2026 tauchte bereits völlig überraschend ein geleaktes Dokument mit dem Titel „Reform der Fahrschulausbildung – Ergebnis der Ad-hoc-Arbeitsgruppe – Entwurf“ auf. Was zunächst wie ein Aprilscherz aussah, stellte sich durch die kurzfristig angekündigte Pressekonferenz des Verkehrsministers am 11. Februar 2026 als authentisch heraus.
Obwohl dadurch einige Branchenvertreter im Vorfeld über die Inhalte der Pressekonferenz informiert waren, sorgte der Minister mit der Art und Weise, wie er diese darlegte, für Fassungslosigkeit.
In der anschließenden Fragerunde der Medienvertreter sorgte der Minister für besonderes Entsetzen. Ein ZDF-Pressevertreter stellte ihm die Frage, ob er es bedauere, mit seinen Ankündigungen aus dem Oktober 2025 Fahrschulen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht zu haben, wodurch es unter anderem zu Kurzarbeit und Entlassungen gekommen sei. Seine Antwort zeugte von keinerlei Bedauern. Er betonte, der Prozess sei transparent gewesen, und fügte hinzu: „So ist die Welt nun mal.”
Jürgen Kopp, der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), zeigte sich im unmittelbar folgenden Interview mit ntv mehr als nur erschüttert. Er betonte, dass der Minister zum wiederholten Mal keine klare Aussage darüber getroffen hat, wie die vorgestellten Pläne am Ende dazu führen sollen, dass der Führerschein günstiger wird.
Nach der Pressekonferenz vom 11. Februar 2026 ist die Empörung über die Ankündigungen des Ministers groß. So würden alle Warnungen und Bedenken, die seit dem 16. Oktober 2025 an das Bundesverkehrsministerium gesendet wurden, ignoriert.
Dies wird auch bezüglich der Empfehlungen des Verkehrsgerichtstags vom 29. bis 30. Januar 2026 deutlich. Die Branchenexperten waren sich dort einig und das Signal aus Goslar war unmissverständlich: „Wir sind bereit für eine Reform der Fahrausbildung, jedoch nicht für unüberlegte und nicht wissenschaftlich belegte Maßnahmen, die nur einer vermeintlichen Kostenreduzierung dienen.“
Erfahre mehr zu den Empfehlungen des Verkehrsgerichtstags 2026
So rückt nach diesen erneuten Ankündigungen die gesamte Fahrschulbranche zusammen und formiert sich entsprechend gegen die Pläne aus Berlin. Die Botschaft ist klar: Wir werden diese Reform in dieser Form nicht mittragen. Wer wissenschaftliche Erkenntnisse und die Expertise aus der Praxis ignoriert, um sich politisch zu profilieren, spielt nicht nur mit der Sicherheit unserer Kinder, sondern gefährdet die Verkehrssicherheit im Allgemeinen.
Bereits die Ankündigung des Bundesverkehrsministers im Oktober 2025 hat die Fahrschulen in eine betriebswirtschaftliche Krise gestürzt. Diese erneuten, noch wesentlich weitreichenderen Ankündigungen werden diese Krise noch verschärfen. Kurz nach der Pressekonferenz tauchten erste Beiträge in den sozialen Medien auf, die dazu rieten, mit dem Erwerb des Führerscheins zu warten.
All diese Beispiele zeigen, wie kurzsichtig und unprofessionell die Kommunikation von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ist.
Wir, die Institute der DVPI, können an dieser Stelle allen Fahrschülerinnen und Fahrschülern nur eines empfehlen: Wenn ihr euren Führerschein schnell und günstig machen wollt, dann ist jetzt der perfekte Zeitpunkt. In wenigen Monaten wird allen klar sein, dass der Führerschein nicht durch politische Eingriffe günstiger werden kann.
Die Folge: Aufgrund des Ausbildungsstaus wird es zu deutlichen Wartezeiten bei Fahrschulen und Prüforganisationen kommen. Dadurch werden die Preise eher steigen. Das gleiche Phänomen zeigte sich in der Fahrschul-Branche nach der Corona-Pandemie.
Warum ist das so? Dies werden wir in einer Reihe von Artikeln in den kommenden Wochen ausführlich darlegen. Wir werden uns die Auswirkungen der Reduzierung von Sonderfahrten, der Abschaffung der Theoriepräsenzpflicht und der Laienausbildung auf die Verkehrssicherheit – und vor allem auf die Kosten – genau ansehen.
Laienausbildung im Rahmen der Experimentierklausel:
Wird Kostensenkung zum Sicherheitsrisiko?
Zwischen McDonaldisierung und Uberisierung:
Wie die Reform des Theorieunterrichts
Die Kürzung der Sonderfahrten:
Warum eine Reduktion nicht automatisch